Begriffe, die im Gespräch auftauchen
Teil 1 enthält Begriffe aus dem Klarheitsgespräch. Teil 2 erklärt klassische Nachfolge-Terminologie.
Teil 1: Begriffe aus dem Klarheitsgespräch
Einordnung der Situation
Der erste Schritt im Klarheitsgespräch. Keine Analyse, sondern eine gemeinsame Orientierung darüber, wo Sie aktuell stehen – sachlich, emotional, zeitlich.
Ausgangslage
Die tatsächliche Situation, in der sich Unternehmen und Inhaber:in befinden – unabhängig davon, wie sie nach außen dargestellt wird.
Aufschubkosten
Die oft unsichtbaren Kosten, die entstehen, wenn Entscheidungen nicht getroffen werden: verpasste Investitionen, sinkende Motivation, steigende Abhängigkeit.
Abhängigkeit vom Inhaber
Wenn das Unternehmen so stark an einer Person hängt, dass jeder Übergang als Risiko erscheint. Oft das Ergebnis jahrelanger Vermeidung.
Entscheidungsraum
Der Raum, in dem echte Entscheidungen möglich sind. Er entsteht nicht durch mehr Information, sondern durch Klarheit über Optionen, Kriterien und Konsequenzen.
Option vs. Möglichkeit
Eine Möglichkeit ist alles, was theoretisch denkbar ist. Eine Option ist das, was unter den gegebenen Bedingungen realistisch tragfähig erscheint.
Vermeidungsentscheidung
Eine Entscheidung, die getroffen wird, um eine andere Entscheidung nicht treffen zu müssen. Häufig unbewusst – und oft folgenreich.
Hypothese
Eine Annahme, die das Denken steuert, ohne geprüft worden zu sein. Im Klarheitsgespräch werden solche Hypothesen sichtbar gemacht – nicht bewertet.
Engpass
Der Punkt, an dem eine Situation nicht weiterkommt. Oft nicht dort, wo man ihn vermutet – und selten rein sachlicher Natur.
Klarheitskriterium
Ein innerer Maßstab, der hilft zu erkennen, ob eine Entscheidung „passt" – jenseits von Zahlen und Fakten.
Nächster sinnvoller Schritt
Nicht der große Wurf, sondern der eine Schritt, der jetzt sinnvoll ist – ohne die Entscheidung vorwegzunehmen.
Klarheitsgespräch
Ein 90-minütiger strukturierter Denkraum, in dem keine Lösung erarbeitet, sondern Entscheidungsfähigkeit hergestellt wird. Drei Phasen: Einordnung, Denkraum, Verdichtung.
Transformation
Veränderung, die nicht nur Strukturen betrifft, sondern auch Haltungen, Rollen und Identitäten. Nachfolge ist oft Teil einer größeren Transformation.
Transformation Discovery Compass
Ein Orientierungsrahmen für komplexe Veränderungssituationen. Hilft, relevante Dimensionen zu identifizieren – nicht als Analyse, sondern als Denkwerkzeug. Kommt im Klarheitsgespräch Plus zum Einsatz.
Teil 2: Klassische Nachfolge-Begriffe A–Z
Asset Deal
Unternehmensverkauf durch Übertragung einzelner Wirtschaftsgüter (Maschinen, Verträge, Marken) statt der Gesellschaftsanteile. Alternative zum Share Deal.
Betriebsübergabe
Die tatsächliche Übergabe der operativen Verantwortung – unabhängig von der rechtlichen Struktur. Oft der kritischste Moment im Prozess.
Bewertungsmethoden
Verfahren zur Ermittlung des Unternehmenswerts: Ertragswert, Substanzwert, DCF, Multiplikatoren. Die Wahl der Methode beeinflusst das Ergebnis erheblich.
Due Diligence
Sorgfältige Prüfung eines Unternehmens vor dem Kauf – rechtlich, finanziell, steuerlich, operativ. Schützt Käufer vor versteckten Risiken.
Earn-Out
Kaufpreisbestandteil, der von zukünftigen Ergebnissen abhängt. Überbrückt Bewertungsdifferenzen zwischen Verkäufer und Käufer.
Erbschaftsteuer
Steuer auf den Erwerb von Vermögen durch Erbschaft. Bei Betriebsvermögen gibt es Verschonungsregelungen – mit strengen Voraussetzungen.
Familiennachfolge
Übergabe des Unternehmens an Familienmitglieder. Emotional oft komplex, weil Familien- und Unternehmenslogik kollidieren.
Fortführungsprognose
Einschätzung, ob ein Unternehmen dauerhaft überlebensfähig ist. Relevant für Bewertung, Finanzierung und steuerliche Gestaltung.
Gesellschaftervertrag
Regelt Rechte und Pflichten der Gesellschafter. Enthält oft Nachfolgeklauseln, Vorkaufsrechte und Zustimmungsvorbehalte.
Geschäftsführerwechsel
Ablösung der operativen Leitung – unabhängig von der Eigentümerstruktur. Erfordert sorgfältige Planung und Kommunikation.
Holding-Struktur
Gesellschaftsrechtliche Konstruktion, bei der eine Dachgesellschaft Anteile an operativen Gesellschaften hält. Kann Nachfolge erleichtern.
Inhaberabhängigkeit
Grad, in dem ein Unternehmen von einer Person abhängt. Hohe Abhängigkeit senkt den Wert und erschwert die Übergabe.
Interimsmanagement
Zeitlich befristete Übernahme von Führungsaufgaben durch externe Manager. Kann Übergangszeit überbrücken.
Kaufpreisermittlung
Prozess der Preisfindung bei Unternehmensverkauf. Kombination aus Bewertung, Verhandlung und Marktgegebenheiten.
Letter of Intent (LOI)
Absichtserklärung vor Vertragsabschluss. Regelt Exklusivität, Vertraulichkeit und Eckpunkte – meist nicht rechtlich bindend.
MBO (Management Buy-Out)
Übernahme durch das bestehende Management. Oft sinnvoll, wenn externe Nachfolger fehlen und Kontinuität gewünscht ist.
MBI (Management Buy-In)
Übernahme durch externes Management. Bringt frische Perspektive, erfordert aber intensive Einarbeitung.
Nachfolgeplanung
Systematische Vorbereitung der Unternehmensübergabe – idealerweise Jahre vor dem geplanten Zeitpunkt.
Nießbrauch
Recht, eine Sache zu nutzen und Erträge daraus zu ziehen, ohne Eigentümer zu sein. Ermöglicht Übergabe bei gleichzeitiger Absicherung.
NDA (Geheimhaltungsvereinbarung)
Vertraulichkeitsvereinbarung vor Offenlegung sensibler Unternehmensdaten. Standard bei Verkaufsprozessen.
Notfallplanung
Vorkehrungen für ungeplante Ausfälle des Inhabers. Unterschätzt, aber existenziell wichtig.
Share Deal
Unternehmensverkauf durch Übertragung der Gesellschaftsanteile. Das Unternehmen bleibt rechtlich unverändert.
Schenkung unter Auflagen
Übertragung mit Bedingungen, z.B. Versorgungsleistungen oder Fortführungspflichten. Häufig bei Familiennachfolge.
Stille Reserven
Differenz zwischen Buchwert und tatsächlichem Wert von Vermögensgegenständen. Werden bei Verkauf oft aufgedeckt.
Substanzwert
Summe aller Vermögenswerte abzüglich Schulden. Untergrenze der Bewertung – sagt wenig über Ertragskraft aus.
Übergabezeitpunkt
Der Moment, in dem Verantwortung wechselt. Selten ein einzelner Tag – meist ein Prozess über Monate oder Jahre.
Unternehmensbewertung
Ermittlung des wirtschaftlichen Werts eines Unternehmens. Grundlage für Verhandlungen, nicht deren Ergebnis.
Unternehmensnachfolge
Übergang von Eigentum und/oder Führung auf einen Nachfolger. Kann familienintern, extern oder durch Stilllegung erfolgen.
Verkäuferfinanzierung
Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises. Erleichtert Finanzierung, bindet aber beide Seiten länger aneinander.
Vorweggenommene Erbfolge
Übertragung zu Lebzeiten statt durch Testament. Ermöglicht steuerliche Optimierung und frühzeitige Einbindung.
Wettbewerbsverbot
Vereinbarung, dass der Verkäufer nach Übergabe keine konkurrierende Tätigkeit aufnimmt. Zeitlich und räumlich begrenzt.
Zeitplan der Übergabe
Strukturierter Ablauf mit Meilensteinen. Realistische Planung rechnet mit 3–5 Jahren für den gesamten Prozess.
